Neun Jahre haben die Zuschauer im GERRY WEBER STADION warten müssen, bis es wieder einen deutschen Sieger gab: Und wohl alle gönnten dem 31-jährigen Tommy Haas seinen unerwarteten Triumph. Doch was heißt unerwartet? Wer Haas in Paris gegen Roger Federer und in Halle gegen Jo-Wilfried Tsonga gesehen hatte, der wusste, dass ihm alles zuzutrauen war.
Viele hatten unter der Woche die Partie gegen Tsonga für das beste Match des Turniers gehalten. Der erste Satz des Finales konnte da mithalten. Es hatten sich zwei gefunden. Novak Djokovic, aber vor allem Tommy Haas packten alles aus, was sie beherrschen. Der dominierende Schlag war die Rückhand des Deutschen, die er dem Favoriten unablässig um die Ohren schlug – zur Begeisterung der 12.000 Zuschauer. Im achten Spiel schnappte Haas dann mit all seiner Routine zu. Und natürlich war es die krachende Rückhand, die ihm mit einem Passierball den ersten Breakball brachte. Nole machte einen Vorhandfehler: 5:3 für Haas. Wenig später hatte der den ersten Satz in der Tasche und die Welle schwappte durchs Stadion.
Doch Novak Djokovic erwies sich als erwartet harter Gegner. Mit sich und den Linienrichtern hadernd, kam er auf Temperaturen. Er wehrte im dritten Spiel die Breakbälle des Deutschen ab, variierte mehr und brachte nun endlich seinen Paradeschlag der Woche – den Stopp. Weil aber der Serbe nicht einen Breakball in den ersten beiden Sätzen hatte, deutete vor dem Tie-Break vieles auf Tommy Haas. Doch den verließ in entscheidenden Momenten der erste Aufschlag. Ein paar mal ging‘s gut, im Tie-Break nicht. Drei Doppelfehler waren zu viel des Guten, oder besser des Schlechten. "Ohne die hätte ich den Satz aber verloren", gab Novak Djokovic anschließend zu. Er habe überhaupt nicht gut gespielt, vor allem schlecht returniert.
Der Tommy Haas 2009 ist aber von einem anderen Kaliber als in früheren Jahren. Nervenstärke gehört inzwischen dazu. Das hatte er schon im Halbfinale gegen Philipp Kohlschreiber gezeigt. "Der schwache Aufschlag hat mir schon Sorgen gemacht", verriet er nach dem Spiel: "Da habe ich mich unter Druck gesetzt. Zum Glück kam er rechtzeitig zurück."
Haas startete furios in den dritten Durchgang, hatte bei 1:0 gleich Breakbälle und profitierte vom nun schwach aufschlagenden Serben. Als der einen Doppelfehler zum Break servierte, zerhackte Djokovic anschließend seinen Schläger. Das schien ihm zu helfen, denn im nächsten Spiel wackelte Haas zum ersten Mal beim Aufschlag. Wieder fehlte der erste und nur der hervorragende zweite rettete ihn vor den vier Breakbällen. Es sollten die einzigen des Serben bleiben. Als dann der Deutsche sein Service wiederfand und zum 4:1 zu Null durchservierte, war der Widerstand gebrochen. Das letzte Break zum 5:1 kam folgerichtig und nach 2:12 Stunden setzte Tommy Haas den letzten Volley zum Sieg. "Da wusste ich, jetzt ist es meins", so Haas. Es sei ein unglaubliches Gefühl, nach langer Zeit wieder einen Titel zu holen. "Und dann noch in Deutschland!"
Für den Deutschen war es der 12. Turniersieg seiner Karriere, der erste auf Gras und auch der erste in Halle. "Jetzt habe ich auf allen vier Belägen ein Turnier gewonnen. Das bedeutet mir sehr viel", verriet der Sieger in der Pressekonferenz. Er wird sich jetzt auf Wimbledon vorbereiten - "mit einem Lächeln im Gesicht nach der tollen Woche hier". Einen neuen Coach hat er noch nicht. Aber das scheint ja auch ohne zu funktionieren. "Meine Schwester und meine Verlobte Sara Foster coachen mich", erklärte er lachend.
Novak Djokovic war enttäuscht, bedankte sich aber beim Publikum für die Unterstützung in der Woche - auf Deutsch. Er hat als Jugendlicher einst zwei Jahre in München trainiert. "Ich freue mich auf's nächste Jahr", erklärte er.
(Foto: pmk)
(Foto: pmk)







